Depressionen fallen nicht einfach so vom Himmel

Von Ruth Charlotte Cohn, der Begründerin der Themenzentrierten Interaktion, stammt der Satz:  „Sage nie Ja, wenn du Nein meinst.“


Wir machen schon in der Kindheit die Erfahrung, dass wir mehr Zuwendung erhalten, wenn wir Ja sagen, obwohl wir Nein meinen.
Das Nein-Sagen verlernen wir im Laufe des Lebens besonders gegenüber Menschen, die uns ganz wichtig sind.
  
Auch als Erwachsene haben wir unbewusst Angst, dass uns „dann keiner mehr liebhat“ wenn wir Nein sagen.
Die bei vielen Menschen nach Jahrzehnten gerne als Midlife-Crisis belächelte, oft in Depressionen übergehende Nachdenklichkeit bezüglich ihres bisherigen Lebens, wird stark unterschätzt, obwohl sie oft ganz tief aus unserer Seele kommt.


Unverarbeitete Traumata, physischer wie auch psychischer Natur, erlebte Gewalt, Missbrauch im Kindesalter und von den Erwachsenen nicht ernstgenommene Ängste in der Kindheit   können durch einen Geruch, ein Geräusch, Gesehenes oder einem vergleichbaren Ereignis aus der Vergangenheit ein bisher verdrängtes und verschwiegenes Beben in unserer Seele auslösen.
Wie ein terroristischer Schläfer mit einem posthypnotischen Auftrag, der nur auf den Code wartet, um das bisher durch Schweigen gestoppte Beben, in unserem Bewusstsein zu zünden.
Auch die ganz kleinen, durch unseren lebenslangen Selbstbetrug und Alltagsstress verdrängten traumatischen Erlebnisse und Erschütterungen, werden plötzlich freigesetzt und können ganz leise einen Tsunami in uns auslösen, den wir erst wahrnehmen und erleben, wenn er uns überrollt.

 

Unser anerzogenes schlechtes Gewissen, begleitet uns wie ein Marionettenspieler, der durch die Fäden dafür sorgt, dass wir seinen Standpunkt und seine Sichtweise nicht verlassen.

Wir scheinen durch das ewige laute Ja-Sagen, obwohl wir Nein fühlen, den Klang und die Wertigkeit unserer eigenen Stimme beim Nein-Sagen zu vergessen.
Damit vergessen wir uns selbst, unser eigenes Leben und leben gezwungenermaßen das Leben der anderen, aber das begreifen wir erst nach dem Tsunami.

 

Deshalb möchte ich behaupten, dass Depressionen nicht einfach so vom Himmel fallen, sondern der Nachhall schwerwiegender Ereignisse in unserer Lebensgeschichte sind.

Eckhard Pawlowski©

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