Wir ändern uns auch im Alter nicht – Sexualität im Alter

…und Sie meinen immer noch, das hört ab einem „gewissen“ Alter auf?

 

Eine ältere Dame in einem Seniorenheim wirkte auf mich sehr bedrückt und lustlos, obwohl im Haus am Abend ein Tanz in den Mai geplant war.

Als ehemalige Schlachters Frau war sie einige Male in ihrem Heimatort Schützenkönigin geworden und ich dachte, sie würde sich auf die Abwechslung freuen, doch dem war nicht so.

 
Während eines längeren Gesprächs erzählte sie mir ganz leise, grundsätzlich tanze sie gerne und auch die körperliche Nähe eines Partners würde ihr fehlen, ebenso das dazu gehörende Kuscheln, „... aber die hier im Heim suchen doch nur eine, bei der sie nochmal einen „wegstecken“ können.

Mir muss keiner mehr was erzählen, ich kenne die Männer … die meinen immer nur kämpfen zu müssen, um zu beweisen, wer der stärkere ist, und wenn dann mal Gefühle aufkommen, die nichts mit Sex zu tun haben, nutzen sie die restliche Kraft noch dazu, diese zu verdrängen. Am nächsten Tag geht es wieder von vorne los, zu Hause wie auch im Berufsleben, die sind doch alle bekloppt!“

 

Mir blieb erstmal die Sprache weg, und da sie mein innerliches Grinsen wohl irgendwie bemerkte, schmunzelte sie und meinte nur: „Mit Ihnen kann ich doch so reden, oder?“

Das bejahte ich, da mir wieder einmal eine lebenserfahrene und taffe Frau sagte, wo es langgeht und worum es im Leben zu gehen scheint.

 


…Warum lesen wir in den Tageszeitungen darüber hinweg, dass inzwischen schon jede 2. Ehe geschieden wird?
Vielleicht hoffen viele, dass ihre heimlichen Affären und kleinen Abenteuer unentdeckt bleiben, da sie ihren sicheren Ankerplatz im Hafen der Ehe nicht wirklich ganz verlassen wollen.
Wenn der Partner insgeheim genauso denkt und handelt, wäre man natürlich entrüstet und könnte gar nicht verstehen, wie es soweit kommen konnte. Man fiele dann von der schön gedachten Wolke, die inzwischen nicht mehr so rosig aussieht wie noch vor vielen Jahren, als man gemeinsam von der nie enden wollenden Liebe mit traumhaften Sonnenuntergängen geträumt hat.


Zweigleisig fahren, einen Partner fürs Kröpfchen, einen fürs Töpfchen, ohne dass der eine etwas vom anderen weiß und trotzdem die heimliche Not, dass der oder die andere auch so denkt und handelt... – das soll mit dem Eintritt ins Rentenalter vorbei sein?

 

Eine ältere Dame, die noch begeistert an allen Tanz- und sonstigen Veranstaltungen im Seniorenheim teilnahm, sagte mir mal ganz leise:

„Oh ja, an meine Hochzeit erinnere ich mich noch in allen Einzelheiten, das war der schönste Tag in meiner ganzen Ehe.
Liebe macht leider blind, aber nachdem man geheiratet hat, kann man wieder klarsehen. Wäre die Hochzeit morgen, würde ich heute noch weglaufen. Aber erzählen Sie das nicht meinen Kindern, sonst denken die, ich hätte sie nicht lieb.“

 

Wie war das noch mit der Wahrheit? – Richtig, man soll sich nicht erschrecken, wenn man sie findet, obwohl man das Gefühl hat, das trifft immer nur andere.

                                                                                                                                                                                  Eckhard Pawlowski©

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