Warum haben sich Pflegende früher weniger beklagt als heute, hat mich mal jemand gefragt.

Ich glaube das hängt mit der Prägung aus unserer eigenen Lebensgeschichte zusammen und der Lebenslandschaft, durch die wir bisher gegangen sind.

 

Die vor 1950 Geborenen waren im Gegensatz zu uns, noch viel mehr durch ihre Eltern- und Großelterngenerationen geprägt, die ja teilweise auch noch unter den Auswirkungen des ersten Weltkrieges gelitten haben und durch den 2.Weltkrieg zum zweiten Mal dem Grauen ausgeliefert waren.


Sie haben gelernt, viel mehr hinzunehmen, als sie eigentlich aushalten konnten und das galt auch für Pflegenden.

 

Millionen Menschen, hauptsächlich Frauen und Kinder aus den Ostgebieten wurden durch Flucht und Vertreibung schwer traumatisiert und noch durch ganz andere Erlebnisse geprägt, wie die Menschen „im Westen“, die auch in Trümmern lebten und jetzt noch das bisschen, was sie hatten, mit denen „aus dem Osten“ teilen mussten.
Ebenso viele Männer haben den Krieg und ihre Gefangenschaft nur überlebt, weil sie Glück hatten und weil sie sich durch ihre harte Erziehung und ihren Selbsterhaltungstrieb jeden Anflug von Gefühlen und Schwäche untersagten, weil es zum Überleben keine Alternative gab.

 

Sie sind durch das Erlebte im wahrsten Sinne des Wortes so „gestillt“ worden, dass sie bis heute sehr wenig reden, obwohl sie in jungen Jahren eventuell mal richtige Frohnaturen waren.
„Das geht nicht - ich will das nicht - dazu habe ich keine Lust“ schien damals keine Option zum Überleben gewesen zu sein, zumal die meisten durch die „Halt den Mund“ Erziehung und absoluten Gehorsam schon mit der Muttermilch verinnerlicht hatten.
In den Köpfen war die Ideologie der NS Zeit noch bis in die 70/80iger Jahre zu spüren.
Begriffe wie: natürliche Auslese – friss oder stirb – Arschbacken zusammen und da durch, waren an der Tagesordnung. Gefühle wurden als Schwäche abgetan und die zu zeigen war mit einem unendlichen Gesichtsverlust verbunden.
 
Das hat die Menschen so hart gemacht, zu sich selbst, aber auch anderen gegenüber.
Viele, der jetzt über 60-jährigen, sind von denen erzogen worden, die nie gelernt haben, über so etwas zu reden… deshalb gab es die Probleme einfach nicht, weil sie nicht thematisiert wurden, wie viele andere Dinge, von denen keiner was gewusst haben will.
 
Es gab ja auch nach dem Krieg plötzlich keine Nazis mehr… aber das ist ein anderes Thema, obwohl es auch mit unserer anerzogenen Sprachlosigkeit zu tun hat, wenn bestimmte Themen auf den Tisch kommen, denn es kann ja nicht sein, was nicht sein darf.

                                                                                                                                                                                    Eckhard Pawlowski©

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