Wie ich mir mal mein Seniorenheim wünsche.


Wie ich mir mal mein Seniorenheim wünsche oder was alles möglich wäre, wenn die Dividenden wieder in die Lebensqualität der Bewohner und Mitarbeiter investiert würden.

 

• Ein sich selbst öffnender Eingangsbereich mit einem einladenden Foyer, wie in einem Hotel, mit dementsprechender Rezeption.

 

• Freundliches Ambiente durch warme Farben und unterschiedliche, den jeweiligen Bereichen angepasste Lichtquellen, gemütliche Sitzecken zum „Leute gucken“ und klönen. Ein für Enkelkinder leicht sichtbares Bobby Car, Schaukelpferd und großes Aquarium im Foyer lässt sie sich auf einen Besuch bei Oma oder Opa freuen.

 

• Ein vom Foyer aus ein harmonisch gestalteter Übergang zu einem Café, dessen Aroma nach frischem Kaffee und Gebäck, noch bis zum Eingang duftet und auch Gäste zum Verweilen einlädt.
 Mit vielen (echten) Grünpflanzen, frischen Blumen, mit leichter, ganz leiser neutralen Musik in Form von schönen Klangbildern, die ein Ambiente von Ruhe und Geborgenheit ausstrahlen.

 

• Räumlichkeiten mit ähnlichem Ambiente, in denen ich mit der ganzen Familie und Freunden meinen Geburtstag oder sonstige Anlässe auf eigene Kosten feiern kann.

 

• Eine entsprechende Verwaltung mit guter Beschilderung zur Pflegedienstleitung, Hausleitung und zum Sozialdienst sorgen über leicht geöffnete Türen für eine offene vertrauliche Atmosphäre…weil  sie nichts zu verbergen hat.

 (Eine häufige Störung durch an Demenz leidenden Bewohnern lässt sich im Vorfeld baulich durch räumliche Gestaltung und genügend Personal ausbremsen.)


Da die kleinen Dinge die Welt bewegen, können sie dem Besucher aufzeigen, wie der Alltag in einer Senioreneinrichtung aussieht:


• Wenn es im gesamten Haus nicht nach selten gewechselten Attends und deshalb nicht nach übertrieben benutzen Airfresh Produkten riecht.


• Das Aussehen der Toilettenbürsten ist manchmal ein Spiegelbild des Hygiene-Standards im gesamten Haus.


• Wenn man die Möglichkeit hat, die Mitarbeiter beim Kommen und Verlassen des Hauses zu sehen und zu grüßen.
Nur so kann man nachempfinden, ob sie hier gerne arbeiten oder ob es ihnen morgens/mittags schon davor graut, mit ihrer Arbeit zu beginnen und froh sind, nach Feierabend wieder gehen zu können.


• Ehepartnern oder Lebensgefährten sollte ein besonderer privater Raum gewährt werden. Alle Zimmertüren sollten von innen abgeschlossen werden können. Ein Schild „Bitte nicht stören“ an der  Tür sollte selbstverständlich sein.


• Angehörige können an allen Mahlzeiten gegen Erstattung der Unkosten teilnehmen und mit dem Bewohner im Zimmer oder an separatem Tisch zusammensitzen.


• In Krisensituationen (schwere Krankheit, Begleitung im Sterbeprozess) können Angehörige auch über Nacht im Zimmer des Bewohners bleiben und da sein, wenn der Bewohner und sie es  wünschen.

 

 (Einige der von mir überarbeitete Anregungen stammen ursprünglich von Gabi Mehlem 26.11.2007   Caritas Sebastianus Stift)

 

Solange Seniorenheime aber kaum noch von den Ländern und Kommunen, sondern hauptsächlich von börsenorientierten Investorengruppen zur Geldanlage gebaut werden, können Pflegende ihre Bewohner nicht mal im Ansatz so menschenwürdig versorgen, wie sie es gelernt haben und selbst im Alter versorgt werden möchten.
Deshalb wird sich an den teilweise menschenunwürdigen Lebensbedingungen der Bewohner und den ebenso unwürdigen Arbeitsbedingungen der in der Pflege tätigen Mitarbeitern nichts ändern.

 

Zitat aus dem Buch Beziehungsgeschichten – Wie das Leben tatsächlich ist, haben wir alle nicht gelernt“

 

"Es ist eine Schande für alle Menschen, dass viele Pflegende im Laufe der Jahre durch unser Gesundheitssystem in eine Situation gebracht werden, Pflegebedürftige so versorgen zu müssen, wie sie selbst nie behandelt werden möchten. Und wenn dann noch die Vergütung von Pflegekräften der Maßstab für die Würdigung ihrer schweren Arbeit ist, müssen wir uns alle bezüglich unserer Gesetzgebung und seiner sozialpolitischen Vertreter, die wir gewählt haben, in Grund und Boden schämen.

Unsere Politiker und vermeintlichen Volksvertreter wissen nicht mal im Ansatz, was Pflegende, egal ob Familienangehörige oder professionelle Pflegekräfte, überhaupt leisten und auszuhalten haben.
In Anbetracht dessen, dass Facharbeiter in der Autoindustrie am Band den doppelten bis dreifachen Lohn von Pflegekräften erhalten, muss die Frage erlaubt sein, warum die Produktion von Autos gesellschaftlich einen größeren Stellenwert hat, als die Versorgung von hilfsbedürftigen Menschen und wir alle nicht unserem Bauchgefühl entsprechend dagegen rebellieren."

 

Es heißt zwar im Grundgesetz:


„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“
Das scheint aber nicht für Pflegende
und Pflegebedürftige zu gelten.
                                                                                                                Eckhard Pawlowski©

Kommentare: 1
  • #1

    Matthias (Sonntag, 27 August 2017 16:21)

    Sehr gut geschrieben!

    Statt auf Marktplätzen immer denselben Mist zu erzählen, sollten Politiker mal ein authentisches Praktikum in einem Heim absolvieren...