Unsere Beziehungen in der Pflege sind immer eine Gradwanderung zwischen den Gefühlen aller Beteiligten

Unsere Beziehungen in der Pflege sind immer eine Gradwanderung zwischen den Gefühlen aller Beteiligten, den Pflegebedürftigen, ihren Angehörigen, unseren Kollegen und unserem Arbeitgeber.

 

Wir mögen den einen Pflegebedürftigen besonders gerne und müssen aufpassen, ihn nicht zu bevorzugen, uns gehen die Nackenhaare hoch, wenn wir erleben, wie manche Kollegen mit ihm umgehen…. sind wir dann zu nah dran? … sollten wir den/die Kollegen/innen oder das Thema Nähe und Distanz mal im Team ansprechen?


Ein Zimmer weiter versorgen wir einen Menschen, dem wir aus unerfindlichen …oder auch aus ganz verständlichen Gründen im „normalen“ Leben nicht begegnen möchten, nur ungerne, trauen uns aber nicht, dass im Team anzusprechen, weil so etwas als „unprofessionell „angesehen wird.


Ich finde es sehr unprofessionell, wenn man darüber im Team nicht reden kann oder es während den Teamgesprächen für „sowas“ keine Zeit gibt.


Wenn ich nur an die Zeitfenster für die Raucherpausen von einigen Pflegenden denke, kann es nicht an der fehlenden Zeit liegen, auch wenn sich der eine oder die andere, die Arbeitszeit „aus stempelt“. (solange die nicht rauchenden Kollegen/In nicht auch noch die gleiche Zeit für sich beanspruchen, um draußen frische Luft zu schnappen…)

 

Nur mal so als Frage:
Könnten Sie sich vorstellen, sich von allen Kollegen/innen ihres Teams pflegerisch versorgen zu lassen, wenn die sie nicht kennen würden. Und wenn nein… warum nicht?

 

Die kleinen Dinge bewegen die Welt… besonders, wenn wir persönlich betroffen sind.

 

„Wenn ich als professionelle Pflegekraft einen Menschen versorgen muss, den ich nicht ausstehen kann, vor dem ich mich ekle oder vor dem ich Angst habe, sollte mir klar sein, dass ich ihm weder von meiner Aufgabenstellung her, noch sonst irgendwie gerecht werden kann. In einem guten professionellen Team kann ich so was ansprechen, ohne gleich mit Blicken oder blöden Kommentaren geächtet zu werden. Diese gehandhabte Transparenz gibt auch anderen Kollegen die Chance, in vergleichbaren Situationen ebenso zu reagieren.
Trotzdem scheint es im normalen Pflegealltag selten möglich, diese Ideale wegen enger Zeitpläne, Dienstvorschriften oder den unterschiedlichen mentalen Voraussetzungen aller an der Versorgung Beteiligten, in die Tat umzusetzen. Aus eigener Erfahrung kann ich Ihnen sagen, es ist viel öfter möglich, als wir alle denken.“  

 

(Zitat aus dem Buch „Beziehungsgeschichten-Wie das Leben tatsächlich ist, haben wir alle nicht gelernt“)

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„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Das scheint aber nicht für Pflegende und Pflegebedürftige zu gelten.


 

https://www.facebook.com/AlexanderJordePflege/   

 

https://www.facebook.com/beziehungsgeschichten.de/?ref=aymt_homepage_panel

 

Das was Alexander Jorde gesagt hat, bestätigt meine Meinung, dass nicht jeder pflegen kann, so wie es viele Politiker und Richtlinien Lobbyisten behaupten.
Alexander hat anscheinend die Wahrnehmung von noch nicht selbst Betroffenen insofern geschärft, das satt, sauber und trocken nicht der Sinn des Lebens sein kann und nicht abrechenbare Gefühle, in jeder Beziehung, auch Beachtung brauchen, um bei den Pflegebedürftigen, wie auch bei den Pflegenden selbst, nicht in Depressionen zu verkümmern.

Es zeigt aber auch auf, warum so viele Pflegekräfte, die so denken und arbeiten wie Alexander, nach einigen Jahren ausbrennen und deshalb erkranken, da sie unter den jetzigen Voraussetzungen ihre Klienten nicht mal im Ansatz so versorgen können, wie sie es mal gelernt haben und wie sie selbst versorgt werden möchten, wenn sie durch was auch immer, hilfebedürftig werden.

Deshalb lieber Alexander, bleib bloß so wie Du bist und denkst.
 
Du hast Dir in ein paar Minuten so viel Respekt und Hochachtung durch Deinen Mut zum Klartext erarbeitet und warst zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, hast auch alle Pflegende wachgerüttelt und ermutigt die Geister der Aufmerksamkeit, die Du gerufen hast, nicht mehr loszulassen, sondern uns allen auf die Fahnen zu schreiben.
 
Deshalb Chapeau! …..Alexander, mach weiter so.

 

Du machst uns allen Mut, das sich was ändern kann.

   

 

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Es ist beschämend, dass einige Politiker das Thema Pflege jetzt erst, kurz vor der Wahl als wichtig erachten....

 

Es ist beschämend, dass einige Politiker das Thema Pflege jetzt erst, kurz vor der Wahl als wichtig erachten, weil es für sie anscheinend der letzte Strohhalm zu sein scheint, doch noch gewählt zu werden.


Dann werden wir ja in den nächsten 4 Jahren sehen, ob die Pflege ihnen wirklich das Wert ist, was sie uns in ihrer Hilflosigkeit jetzt versprochen haben.

Solange Politiker, Entscheidungsträger über pflegerelevante Richtlinien, Interessenvertreter der entsprechenden Kostenträger und Immobilien nur im 4 Jahreszyklus der Politik denken und handeln, wird sich nichts ändern, da sie ja von den Auswirkungen ihrer Entscheidungen nicht persönlich betroffen sind und das Geld haben, sich menschenwürdig „bedienen“ zu lassen.

 

Es werden vom Staat eher Banken vor dem Bankrott gerettet, die das Geld ihrer Anleger beim Monopoly der Gewinnoptimierung verzockt haben und Unternehmen der Autoindustrie, die ihren Managern Millionen Gehälter und den Bandarbeitern traumhafte Löhne, plus Sondergratifikationen zahlen, von denen Pflegekräfte nur träumen können.

Solange die Pflege immer noch in der Aura des untertänigen Dienens des Mittelalters dümpelt, wird sich nichts ändern.

 

Es ist eine Schande für alle Menschen, dass viele Pflegende im Laufe der Jahre durch unser Gesundheitssystem in eine Situation gebracht werden, Pflegebedürftige so versorgen zu müssen, wie sie selbst nie behandelt werden möchten.

Und wenn dann noch die Vergütung von Pflegekräften der Maßstab für die Würdigung ihrer schweren Arbeit ist, müssen wir uns alle bezüglich unserer Gesetzgebung und seiner sozialpolitischen Vertreter, die wir gewählt haben, in Grund und Boden schämen.


Deshalb macht es mich manchmal richtig wütend, wenn irgendwelche „großkopferten“ Politiker und Lobbyisten, die an sozialpolitischen Richtlinien arbeiten, sich gerne durch das Blitzlichtgewitter der Presse ihren sozial-hysterischen Heiligenschein noch vergrößern lassen, aber nicht mal im Ansatz wissen, wovon sie reden und was Pflegende, egal ob Familienangehörige oder professionelle Pflegekräfte, überhaupt leisten und auszuhalten haben.


In Anbetracht dessen, dass Facharbeiter in der Autoindustrie am Band den doppelten bis dreifachen Lohn von Pflegekräften erhalten, muss die Frage erlaubt sein, warum die Produktion von Autos gesellschaftlich einen größeren Stellenwert hat, als die Versorgung von hilfsbedürftigen Menschen und wir alle nicht unserem Bauchgefühl entsprechend dagegen rebellieren.

 

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

 

Das scheint aber nicht für Pflegende und Pflegebedürftige zu gelten.

 

 

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8. CareSlam in Berlin 9.Sept. 2017


Ich war am Samstag zum 8. CareSlam in Berlin  eingeladen und bin von der mitreißenden Lebendigkeit dieser Veranstaltung einfach begeistert.

 

https://www.flickr.com/photos/101502199@N07/sets/72157685028679622

 
https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=1543122562417002&id=906565286072736

 

Nach Jahrzehnten des Schweigens, macht es wirklich Sinn, durch solche Veranstaltungen von Yvonne Falkner  http://www.careslam.org/leitung/  und ihrem Team, den Pflegenden eine Stimme in der Öffentlichkeit zu geben.


Diese Veranstaltung hat mich sehr bewegt und motiviert, weiter den Mund aufzumachen, um den bei mir vor Jahren, durch hilflose und kränkende Wut entstandenen "Luschtverluscht"... wie die Schweitzer sagen, wieder in Lust auf Veränderungen in der Welt von Pflegenden umzukehren.
 
Da ich ja auch schon ein „gewisses“ Alter, mit einem entsprechenden Umfang habe 😉, geht es mir vielleicht ähnlich, wie den Mammutbäumen, deren Zapfen bei einem Brand geschlossen bleiben und erst nach dem Feuer aufgehen, um ihre Samen freizugeben. Korkeichen, treiben ebenfalls nach einem Jahr wieder aus, denn ihr Stamm überlebt ebenfalls die meisten Feuer.

Die „schweigende“ Mehrheit der Pflegekräfte, könnte aus unseren schlechten Erfahrungen des Mundhaltens in der Vergangenheit lernen, wenn wir sie diesbezüglich so motivieren, dass sie das auch wollen und annehmen können.
Vielleicht lässt sich ja ein wenig von dem, was wir am Samstag beim 8. CareSlam rausgelassen haben, im Sinne der Übertragung, auf andere Pflegende als kleiner Samen des Widerstands, in ihre noch nicht durch Frust angebrannten Seelen aussäen.

Wir „Aus- oder zumindest „Angebrannten“ sollten die Asche unserer erstickten Wut den jungen Pflegenden als Dünger zu Verfügung stellen, damit sie schneller die Wertigkeit ihrer eigenen Profession erkennen und nicht zu allem JA sagen, obwohl sie NEIN fühlen.

 

Fazit:
Selbst ausgebrannte Pflegekräfte tragen irgendwie immer noch einen kleinen Keim des Widerstands gegen die in unserer Gesellschaft fehlende Wertschätzung ihrer Arbeit, in sich.
Deshalb sollten wir diese, durch Verbitterung und Frust entstandene, gewaltige negative Energie in positive Energie umwandeln, um damit die Sensoren für mehr Achtsamkeit gegen das Ausbrennen, bei allen Pflegenden zu resetten.
 
Ich wünsche allen, die darauf Lust haben eine gute Woche… nicht wie man so sagt… mit alter… sondern mit neuer Frische gegen das JA sagen, wenn wir NEIN fühlen.
Interessantes zum Thema NEIN sagen, auch unter www.beziehungsgeschichten.de

 


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Wie ich mir mal mein Seniorenheim wünsche.


Wie ich mir mal mein Seniorenheim wünsche oder was alles möglich wäre, wenn die Dividenden wieder in die Lebensqualität der Bewohner und Mitarbeiter investiert würden.

 

• Ein sich selbst öffnender Eingangsbereich mit einem einladenden Foyer, wie in einem Hotel, mit dementsprechender Rezeption.

 

• Freundliches Ambiente durch warme Farben und unterschiedliche, den jeweiligen Bereichen angepasste Lichtquellen, gemütliche Sitzecken zum „Leute gucken“ und klönen. Ein für Enkelkinder leicht sichtbares Bobby Car, Schaukelpferd und großes Aquarium im Foyer lässt sie sich auf einen Besuch bei Oma oder Opa freuen.

 

• Ein vom Foyer aus ein harmonisch gestalteter Übergang zu einem Café, dessen Aroma nach frischem Kaffee und Gebäck, noch bis zum Eingang duftet und auch Gäste zum Verweilen einlädt.
 Mit vielen (echten) Grünpflanzen, frischen Blumen, mit leichter, ganz leiser neutralen Musik in Form von schönen Klangbildern, die ein Ambiente von Ruhe und Geborgenheit ausstrahlen.

 

• Räumlichkeiten mit ähnlichem Ambiente, in denen ich mit der ganzen Familie und Freunden meinen Geburtstag oder sonstige Anlässe auf eigene Kosten feiern kann.

 

• Eine entsprechende Verwaltung mit guter Beschilderung zur Pflegedienstleitung, Hausleitung und zum Sozialdienst sorgen über leicht geöffnete Türen für eine offene vertrauliche Atmosphäre…weil  sie nichts zu verbergen hat.

 (Eine häufige Störung durch an Demenz leidenden Bewohnern lässt sich im Vorfeld baulich durch räumliche Gestaltung und genügend Personal ausbremsen.)


Da die kleinen Dinge die Welt bewegen, können sie dem Besucher aufzeigen, wie der Alltag in einer Senioreneinrichtung aussieht:


• Wenn es im gesamten Haus nicht nach selten gewechselten Attends und deshalb nicht nach übertrieben benutzen Airfresh Produkten riecht.


• Das Aussehen der Toilettenbürsten ist manchmal ein Spiegelbild des Hygiene-Standards im gesamten Haus.


• Wenn man die Möglichkeit hat, die Mitarbeiter beim Kommen und Verlassen des Hauses zu sehen und zu grüßen.
Nur so kann man nachempfinden, ob sie hier gerne arbeiten oder ob es ihnen morgens/mittags schon davor graut, mit ihrer Arbeit zu beginnen und froh sind, nach Feierabend wieder gehen zu können.


• Ehepartnern oder Lebensgefährten sollte ein besonderer privater Raum gewährt werden. Alle Zimmertüren sollten von innen abgeschlossen werden können. Ein Schild „Bitte nicht stören“ an der  Tür sollte selbstverständlich sein.


• Angehörige können an allen Mahlzeiten gegen Erstattung der Unkosten teilnehmen und mit dem Bewohner im Zimmer oder an separatem Tisch zusammensitzen.


• In Krisensituationen (schwere Krankheit, Begleitung im Sterbeprozess) können Angehörige auch über Nacht im Zimmer des Bewohners bleiben und da sein, wenn der Bewohner und sie es  wünschen.

 

 (Einige der von mir überarbeitete Anregungen stammen ursprünglich von Gabi Mehlem 26.11.2007   Caritas Sebastianus Stift)

 

Solange Seniorenheime aber kaum noch von den Ländern und Kommunen, sondern hauptsächlich von börsenorientierten Investorengruppen zur Geldanlage gebaut werden, können Pflegende ihre Bewohner nicht mal im Ansatz so menschenwürdig versorgen, wie sie es gelernt haben und selbst im Alter versorgt werden möchten.
Deshalb wird sich an den teilweise menschenunwürdigen Lebensbedingungen der Bewohner und den ebenso unwürdigen Arbeitsbedingungen der in der Pflege tätigen Mitarbeitern nichts ändern.

 

Zitat aus dem Buch Beziehungsgeschichten – Wie das Leben tatsächlich ist, haben wir alle nicht gelernt“

 

"Es ist eine Schande für alle Menschen, dass viele Pflegende im Laufe der Jahre durch unser Gesundheitssystem in eine Situation gebracht werden, Pflegebedürftige so versorgen zu müssen, wie sie selbst nie behandelt werden möchten. Und wenn dann noch die Vergütung von Pflegekräften der Maßstab für die Würdigung ihrer schweren Arbeit ist, müssen wir uns alle bezüglich unserer Gesetzgebung und seiner sozialpolitischen Vertreter, die wir gewählt haben, in Grund und Boden schämen.

Unsere Politiker und vermeintlichen Volksvertreter wissen nicht mal im Ansatz, was Pflegende, egal ob Familienangehörige oder professionelle Pflegekräfte, überhaupt leisten und auszuhalten haben.
In Anbetracht dessen, dass Facharbeiter in der Autoindustrie am Band den doppelten bis dreifachen Lohn von Pflegekräften erhalten, muss die Frage erlaubt sein, warum die Produktion von Autos gesellschaftlich einen größeren Stellenwert hat, als die Versorgung von hilfsbedürftigen Menschen und wir alle nicht unserem Bauchgefühl entsprechend dagegen rebellieren."

 

Es heißt zwar im Grundgesetz:


„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“
Das scheint aber nicht für Pflegende
und Pflegebedürftige zu gelten.
                                                                                                                Eckhard Pawlowski©

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Wenn die Pflege in der Politik nicht richtig  zu Wort kommt.

https://www.youtube.com/c/DeineWahl

 

Wenn die Pflege in der Politik nicht richtig  zu Wort kommt.

 

Mich macht das manchmal richtig wütend, wenn irgendwelche „großkopferten“ Politiker und Lobbyisten, die an sozialpolitischen Richtlinien arbeiten, sich gerne durch das Blitzlichtgewitter der Presse ihren sozial-hysterischen Heiligenschein noch vergrößern lassen, aber nicht mal im Ansatz wissen, wovon sie reden.

Es ist eine Schande für alle Menschen, dass viele Pflegende im Laufe der Jahre durch unser Gesundheitssystem in eine Situation gebracht werden, Pflegebedürftige so versorgen zu müssen, wie sie selbst nie behandelt werden möchten. Und wenn dann noch die Vergütung von Pflegekräften der Maßstab für die Würdigung ihrer schweren Arbeit ist, müssen wir uns alle bezüglich unserer Gesetzgebung und seiner sozialpolitischen Vertreter, die wir gewählt haben, in Grund und Boden schämen.

Unsere Politiker und vermeintlichen Volksvertreter wissen nicht mal im Ansatz, was Pflegende, egal ob Familienangehörige oder professionelle Pflegekräfte, überhaupt leisten und auszuhalten haben.
In Anbetracht dessen, dass Facharbeiter in der Autoindustrie am Band den doppelten bis dreifachen Lohn von Pflegekräften erhalten, muss die Frage erlaubt sein, warum die Produktion von Autos gesellschaftlich einen größeren Stellenwert hat, als die Versorgung von hilfsbedürftigen Menschen und wir alle nicht unserem Bauchgefühl entsprechend dagegen rebellieren.


Es heißt zwar im Grundgesetz:
„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“
Das scheint aber nicht für Pflegende
und Pflegebedürftige zu gelten.

 

www.beziehungsgeschichten.de      Eckhard Pawlowski©

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Mein Leben der anderen

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Befreiung aus der Sprachlosigkeit

© 2017 Neue Westfälische Gütersloh, Mittwoch 28. Juni 2017

© 2017 Neue Westfälische Gütersloh, Mittwoch 28. Juni 2017


Befreiung aus der Sprachlosigkeit

 

Der ehemalige Fachkrankenpfleger für Psychiatrie, Eckhard Pawlowski, hat Erlebnisse und Gedanken in dem Band "Beziehungsgeschichten" niedergeschrieben. Sein Leben hat ihn gelehrt, wie wichtig das Reden ist.


Von Rolf Birkholz

 

Die Menschen sind "zunächst Beziehungswesen, bevor wir auch mal Individuen sein können", schreibt Prof. Dr. Dr. Klaus Dörner. Und Eckhard Pawlowski erzähle in seinem Buch "tatsächlich nur Geschichten vom Leben der Menschen, wobei dieses Leben ihre Beziehungen sind, die es zu pflegen gilt, damit das Leben einigermaßen gelingt."

Aus dem Vorwort des ehemaligen langjährigen Leiters der LWL-Klinik sprang dem einstigen Fachkrankenpfleger für Psychiatrie der passende Titel für sein Buch gleichsam entgegen: "Beziehungsgeschichten".

 

Der 63-jährige Eckhard Pawlowski hat als "Nachkriegskind", wie er sich nennt, die Sprachlosigkeit der Elterngeneration erlebt, zumal des Vaters.

Erst nach dessen Suizid hatte der Sohn erfahren, dass der Vater als Soldat gegen Kriegsende womöglich in Untaten verstrickt war. In der Familie war über die Nazi-Zeit geschwiegen worden, bei Nachfragen habe eine damals weit verbreitete "Halt den Mund"-Pädagogik gegriffen. Selbst sehr streng erzogen, hatte sein Vater diese Strenge auch sein einziges Kind spüren lassen.

Pawlowski weiß aus seiner 33-jährigen Erfahrung als Fachpfleger, Angehörigen-Berater in der gerontopsychiatrischen Ambulanz und auch Dozent, dass solch schweigendes Verdrängen auch in anderen Familien herrschte, noch immer herrscht.

Er entdeckte manche Parallelen zur eigenen Lebensgeschichte. Es sei ihm "bei fast allen Familien mit pflegebedürftigen alten Menschen aufgefallen, dass nach außen hin die Welt in Ordnung war, aber in Bezug auf die zwischenmenschlichen Gefühle wie Nähe und Wärme haperte es oft an diesen notwendigen Voraussetzungen für eine faire und einfühlsame Versorgung der alten Menschen", schreibt der Gütersloher.

 

Darauf will er mit seinem Buch hinweisen, das will er ändern helfen. Pawlowski weiß, dass "wir alle nicht gelernt haben, über unangenehme Dinge zu reden." Er hat jedoch erlebt, dass eigene Offenheit "die Türen der Herzen der Menschen" öffnen kann. Er habe schon lange einen soziotherapeutischen, aufs Ganze des Patienten gerichteten Ansatz verfolgt, sagt er.

 

Aber erst eine eigene Erkrankung, die Nachdenkzeit dabei und die oft wahrgenommene oberflächliche Beziehungsweise zwischen Menschen (einst der schweigende Kriegsvater, heute womöglich auch die mehr mit dem Smartphone als dem Baby im Kinderwagen beschäftigte Mutter) ließ ihn Notizen und Erlebnisse zu dem Buch zusammenführen.

 

Viele in den 50er Jahren Geborene dürften sich durch Pawlowskis leicht lesbare (auch wenn sich manche Gedanken wiederholen) und zugleich um fachliche Seriosität bemühte Alltagsgeschichten angesprochen fühlen - und auch deren heute betagte Eltern. Noch ist es da und dort nicht zu spät, sich zu öffnen. Der Autor spricht den Leser direkt an.

 

Er will auch Mitarbeiter von Pflegediensten erreichen und nicht zuletzt pflegende Angehörige, denen es durch Unausgesprochenes verkomplizierte Beziehungen noch schwerer machen. Dazu gibt er Tipps, sich über die eigene Lebensgeschichte klarer zu werden: "Unsere Biografie ist eine Art Gebrauchsanleitung für Beziehungen."

 

Eckhard Pawlowski könnte heute übrigens seinem Vater und dessen ideologisch missbrauchter Generation vielleicht verzeihen, die selbst von der "Halt den Mund"-Erziehung geprägt war.

Hätten sie doch nur geredet, reden können. "Wie das Leben wirklich ist, haben wir alle nicht gelernt", zitiert er den Psychologen Lutz Dieter Schwede.

Und Klaus Dörner, dem auch die "überaus farbige und saftige Sprache" dieses Beziehungspflege-Buchs gefällt, stellt fest:

"Es ist nun wirklich aufregend zu sehen, dass Pawlowski zu den ersten Pflegenden gehört, die sich aus der ihnen zugewiesenen Sprachlosigkeit befreien."

 

Eckhard Pawlowski - Beziehungsgeschichten

26Twentysix Verlag 2017. 338 Seiten. 13.99 Euro

ISBN 978-3-7307-1368-3 (www.beziehungsgeschichten.de)

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Warum haben sich Pflegende früher weniger beklagt als heute, hat mich mal jemand gefragt.

Ich glaube das hängt mit der Prägung aus unserer eigenen Lebensgeschichte zusammen und der Lebenslandschaft, durch die wir bisher gegangen sind.

 

Die vor 1950 Geborenen waren im Gegensatz zu uns, noch viel mehr durch ihre Eltern- und Großelterngenerationen geprägt, die ja teilweise auch noch unter den Auswirkungen des ersten Weltkrieges gelitten haben und durch den 2.Weltkrieg zum zweiten Mal dem Grauen ausgeliefert waren.


Sie haben gelernt, viel mehr hinzunehmen, als sie eigentlich aushalten konnten und das galt auch für Pflegenden.

 

Millionen Menschen, hauptsächlich Frauen und Kinder aus den Ostgebieten wurden durch Flucht und Vertreibung schwer traumatisiert und noch durch ganz andere Erlebnisse geprägt, wie die Menschen „im Westen“, die auch in Trümmern lebten und jetzt noch das bisschen, was sie hatten, mit denen „aus dem Osten“ teilen mussten.
Ebenso viele Männer haben den Krieg und ihre Gefangenschaft nur überlebt, weil sie Glück hatten und weil sie sich durch ihre harte Erziehung und ihren Selbsterhaltungstrieb jeden Anflug von Gefühlen und Schwäche untersagten, weil es zum Überleben keine Alternative gab.

 

Sie sind durch das Erlebte im wahrsten Sinne des Wortes so „gestillt“ worden, dass sie bis heute sehr wenig reden, obwohl sie in jungen Jahren eventuell mal richtige Frohnaturen waren.
„Das geht nicht - ich will das nicht - dazu habe ich keine Lust“ schien damals keine Option zum Überleben gewesen zu sein, zumal die meisten durch die „Halt den Mund“ Erziehung und absoluten Gehorsam schon mit der Muttermilch verinnerlicht hatten.
In den Köpfen war die Ideologie der NS Zeit noch bis in die 70/80iger Jahre zu spüren.
Begriffe wie: natürliche Auslese – friss oder stirb – Arschbacken zusammen und da durch, waren an der Tagesordnung. Gefühle wurden als Schwäche abgetan und die zu zeigen war mit einem unendlichen Gesichtsverlust verbunden.
 
Das hat die Menschen so hart gemacht, zu sich selbst, aber auch anderen gegenüber.
Viele, der jetzt über 60-jährigen, sind von denen erzogen worden, die nie gelernt haben, über so etwas zu reden… deshalb gab es die Probleme einfach nicht, weil sie nicht thematisiert wurden, wie viele andere Dinge, von denen keiner was gewusst haben will.
 
Es gab ja auch nach dem Krieg plötzlich keine Nazis mehr… aber das ist ein anderes Thema, obwohl es auch mit unserer anerzogenen Sprachlosigkeit zu tun hat, wenn bestimmte Themen auf den Tisch kommen, denn es kann ja nicht sein, was nicht sein darf.

                                                                                                                                                                                    Eckhard Pawlowski©

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„Der Spagat zwischen Anstand, Liebe und Moral ist der schlechteste Energielieferant für Pflegende“

Ich habe den Eindruck, in letzter Zeit häufen sich die ehrlichen Aussagen und Hilferufe von pflegenden Angehörigen:
„Ich kann eigentlich nicht mehr“!
 
Und das bedeutet „uneigentlich“: „Ich will das so nicht mehr… unter diesen Umständen! Bisher habe ich das gerne gemacht und würde das auch gerne weitermachen, aber ich fühle mich nicht nur alleine gelassen …. ich werde mit allem alleine gelassen!“
Besonders von den eigenen Familienmitgliedern und von denen, die am weitesten weg wohnen und alle paar Wochen/Monate mal kurz für ein Wochenende aufschlagen.
Die machen den Pflegenden dann sogar noch ein schlechtes Gewissen: „Ich habe eben mit Mutti gesprochen… ich glaube, die ist gar nicht so dement, wie Du immer behauptest!?“

In vielen Gesprächen mit Angehörigen habe ich herausgehört, dass sie nicht mit der eigentlichen Pflege überfordert sind, sondern mit der Achterbahn ihrer Gefühle, über die sie mal gerne reden würden, aber in ihrem Umfeld hört ihnen ja keiner richtig zu.
Vielen von uns ist die Wertigkeit des Zuhörens durch den Alltagsstress abhandengekommen und das Phänomen wird noch durch die digitalen Medien, wie WhatsApp verstärkt. 
Das noch sehr persönliche Miteinandertelefonieren wird mittlerweile durch Kurzmitteilungen mit Emojis ersetzt und reduziert unsere wichtigen zwischenmenschlichen Beziehungen auf nicht ernstzunehmendes Comic Niveau.
 
Morgens, so zwischen Tür und Angel fehlt die Zeit über die persönlichen Dinge zu reden und abends ist man oft zu müde, um über die unangenehmen Themen zu reden, die eh nur jemand verstehen kann, der diese Gefühle schon mal erlebt hat.
 
•  Gefühle der Freude und Zufriedenheit, wenn der/die Pflegebedürftige durch die Versorgung ebenfalls zufrieden ist und das auch ausstrahlt…  oder auch einfach nur, weil der Tag trotz Überlastung durch die Chorprobe am Abend oder einen Spaziergang mit Sonnenuntergang und einem Gesprächspartner, der auch zuhören kann, einen schönen Ausklang hatte.
 
•  Gefühle der Angst, vor der Hilflosigkeit durch verdrängte Wut, die durch verbale Missverständnisse und dementielle Prozesse noch verstärkt werden. Die können sich über Monate zu einem explosiven Gas auf der Gefühlsmüllkippe entwickeln, bei der nur ein Funke der Verzweiflung genügt, um zur Schlagzeile für ein Bildzeitungsdrama zu werden.
 
Ähnliche Gefühle erleben auch professionell Pflegende, aber ihr Arbeitsalltag bietet eine gewisse Abwechslung durch wechselnde Klienten mit unterschiedlichen Stimmungen und dem Wissen, trotz Personalnotstand nicht ganz alleine zu sein. In der ambulanten Pflege können die Ortswechsel trotz Termindruck eine kleine Zeit- Insel der Entlastung sein.
 
Pflegende Angehörige brauchen unbedingt entlastende Gespräche. Denn wenn sie irgendwann nicht mehr können und regelrecht ausbrennen, brauchen sie selber ärztliche Hilfe wegen vordergründiger Rücken- und Verspannungsproblemen, da sie auf die monatelangen Hilferufe ihrer Seele in Form von Schlaflosigkeit, Unruhe und Antriebslosigkeit nicht gehört haben.

Selbst im Bereich der professionellen Pflege wird das Thema „entlastende Gespräche“ selten ernst genommen, denn für Teamgespräche in der Arbeitszeit oder Supervision fehlt oft der Wille und das Geld.

Ich bin mir ganz sicher, wenn man die entstehenden Kosten durch den hohen Krankenstand der Pflegenden durch Überlastung, in unserem „krankheitsfördernden“ Gesundheitssystem hochrechnen könnte, würde die Wertigkeit von präventiven, entlastenden Gesprächen und Supervision nicht so belächelt.

Eckhard Pawlowski©

 

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Das Leben mit einem, den Holocaust leugnenden Vater.

 
Erst durch das Schreiben meines Buchs „Beziehungsgeschichten“ ist mir klargeworden, warum mein bisheriges Leben mit einem, den Holocaust leugnenden Vater, so unendlich schwer war und nach seinem Suizid 2005, nicht leichter geworden ist.
 
Viele Kriegs- und Nachkriegskinder des letzten Jahrhunderts leiden immer noch unbewusst unter den Folgen der Erziehung durch ihre Eltern, die von all dem nicht gewusst haben wollen, was vor den Augen aller tagtäglich geschah, da ja nicht sein kann, was nicht sein darf.
 
Wenn die heute über 80jährigen wenigstens jetzt darüber reden könnten, warum sie damals geschwiegen haben, würde ihren Kindern und Enkeln klar, dass sie eine unendliche Angst hatten, auch „abgeholt“ zu werden, wenn sie den Mund aufmachen und Fragen stellen.
 
Ich möchte mit ihnen nicht tauschen, wenn sie sich, bedingt durch einen dementiellen Prozess im Alter nicht mehr mithilfe des Verdrängens gegen das wehren können, was ihnen nachts aufs Bett kommt und der Grund für ihre Hilferufe, ihre Angst und Unruhe sein wird.
 
Durch die Angst vor der Wahrheit und dem damit verbundenen Gesichtsverlust, konnten sie Jahrzehnte lang nicht über das erlebte Grauen reden… die Demenz bringt nun alles durcheinander.
 
Die Erinnerung, die damit verbundene Angst und das Bedürfnis, darüber zu reden werden noch zusätzlich durch Gefühle „stillende“ Medikamente gestört.
 
 Zitat aus dem Buch „Beziehungsgeschichten“


Wenn mit einem Mal alle jüdischen Nachbarn von knüppelnden SA-Männern auf die Straße getrieben wurden und von heute auf morgen weg waren…, das muss doch allen auffallen!
Besonders den Kindern, wenn von heute auf morgen die beste Freundin und ihre Eltern nicht mehr da waren. Und wenn sie danach fragten, wurde leise und vorsichtig der Zeigefinger vor den Mund gehalten, weil darüber nicht gesprochen werden durfte.
Da müssen doch unendliche Gefühlsdramen in allen Köpfen abgelaufen sein, angefangen von tiefster Trauer, grenzenloser Wut und einer unbändigen Hilflosigkeit. Es muss doch schrecklich gewesen sein, seinen Kummer nicht loswerden zu können, darüber öffentlich nicht reden zu dürfen und vor den Kindern schon gar nicht. Die hätten gefragt und geredet, wenn ihnen nicht der Mund verboten worden wäre.
„Die holen dich auch ab, wenn du nicht den Mund hältst!“, wurde den Kindern gesagt. Aber: Wer waren „Die“? Warum taten „Die“ das? Wohin wurden die Nachbarn, Freunde und Verwandten gebracht? Diese Fragen und die damit zusammenhängende Angst müssen Millionen von Menschen beschäftigt und gequält haben. Besonders die Kinder, deren Fragen und Wissensdurst mit Angst gestillt wurde.
Gestillt bis heute – …nein, davon haben wir nichts gewusst!
Die Abtransporte haben doch nicht nur die Bahnbediensteten gesehen, ebenso den logistischen Aufwand, um die riesigen Bau- und Bunkeranlagen zur Produktion von Kriegsmaterial herzustellen. Die meisten Männer waren an der Front, so beschäftigte man KZ-Häftlinge und Kriegsgefangene, das sahen und wussten doch alle… wenn sie es wollten. Tausende von Staats- und Bahnbediensteten wussten Bescheid, dass mit Menschen voll beladene Güterwaggons Richtung Osten fuhren und die Züge immer leer oder nur mit Kleidersammlungen zur Aufarbeitung zurückkamen. Das ganze System wurde akribisch auf deutsche Art und Weise verwaltet… und keiner hat gewusst, was da passiert?
Tausende von Menschen im Umfeld von Verbrennungsöfen konnten es über 20-30 km weit sehen und riechen, was da passiert. Und keiner hatte den Mut, was zu sagen. „Wir hatten alle Angst, selbst abgeholt zu werden, wenn wir was sagen, oder dagegen unternehmen…“, wäre erstmal eine akzeptable Antwort, aber „Wir haben davon nichts gewusst!“, ist einfach nur menschenverachtend!
Als in den Achtzigern die Holocaust-Serien im Fernsehen ausgestrahlt wurden, regte sich mein Vater unheimlich auf. „Die sollen damit aufhören, das stimmt alles nicht…, da muss man nur die richtigen Bücher lesen. Das waren die Alliierten, die haben das alles inszeniert, um es uns Deutschen in die Schuhe zu schieben…!“ – das waren seine Worte.
Kaum hatte er das gesagt, schaute er sich vorsichtig um, ob das außer mir eventuell noch jemand gehört haben könnte, denn er ist auch mit der Vorsicht aufgewachsen und gedrillt worden „Feind hört mit“. – Mein Gott, habe ich mich für meinen Vater geschämt.
Das ist aus seiner Sicht der Welt alles nicht passiert, und deshalb hat mir mein Vater auch nie verziehen, dass ich da arbeite, „wo die sind, mit denen man früher was anderes gemacht hätte!“

 

Ich habe über 33 Jahre in einem psychiatrischen Krankenhaus gearbeitet. Davon 23 Jahre in einer soziotherapeutischen Einrichtung und gut 10 Jahre in einer gerontopsychiatrischen Ambulanz im Rahmen ambulanter Pflegeberatung und Begleitung von Altenheimen und Familien mit pflegebedürftigen alten Menschen. 
                  

                                                                                                                            Eckhard Pawlowski©      

 

 

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Befreiung aus der Sprachlosigkeit

© 2017 Neue Westfälische Gütersloh, Mittwoch 28. Juni 2017

© 2017 Neue Westfälische Gütersloh, Mittwoch 28. Juni 2017


Befreiung aus der Sprachlosigkeit

 

Der ehemalige Fachkrankenpfleger für Psychiatrie, Eckhard Pawlowski, hat Erlebnisse und Gedanken in dem Band "Beziehungsgeschichten" niedergeschrieben. Sein Leben hat ihn gelehrt, wie wichtig das Reden ist.


Von Rolf Birkholz

 

Die Menschen sind "zunächst Beziehungswesen, bevor wir auch mal Individuen sein können", schreibt Prof. Dr. Dr. Klaus Dörner. Und Eckhard Pawlowski erzähle in seinem Buch "tatsächlich nur Geschichten vom Leben der Menschen, wobei dieses Leben ihre Beziehungen sind, die es zu pflegen gilt, damit das Leben einigermaßen gelingt."

Aus dem Vorwort des ehemaligen langjährigen Leiters der LWL-Klinik sprang dem einstigen Fachkrankenpfleger für Psychiatrie der passende Titel für sein Buch gleichsam entgegen: "Beziehungsgeschichten".

 

Der 63-jährige Eckhard Pawlowski hat als "Nachkriegskind", wie er sich nennt, die Sprachlosigkeit der Elterngeneration erlebt, zumal des Vaters.

Erst nach dessen Suizid hatte der Sohn erfahren, dass der Vater als Soldat gegen Kriegsende womöglich in Untaten verstrickt war. In der Familie war über die Nazi-Zeit geschwiegen worden, bei Nachfragen habe eine damals weit verbreitete "Halt den Mund"-Pädagogik gegriffen. Selbst sehr streng erzogen, hatte sein Vater diese Strenge auch sein einziges Kind spüren lassen.

Pawlowski weiß aus seiner 33-jährigen Erfahrung als Fachpfleger, Angehörigen-Berater in der gerontopsychiatrischen Ambulanz und auch Dozent, dass solch schweigendes Verdrängen auch in anderen Familien herrschte, noch immer herrscht.

Er entdeckte manche Parallelen zur eigenen Lebensgeschichte. Es sei ihm "bei fast allen Familien mit pflegebedürftigen alten Menschen aufgefallen, dass nach außen hin die Welt in Ordnung war, aber in Bezug auf die zwischenmenschlichen Gefühle wie Nähe und Wärme haperte es oft an diesen notwendigen Voraussetzungen für eine faire und einfühlsame Versorgung der alten Menschen", schreibt der Gütersloher.

 

Darauf will er mit seinem Buch hinweisen, das will er ändern helfen. Pawlowski weiß, dass "wir alle nicht gelernt haben, über unangenehme Dinge zu reden." Er hat jedoch erlebt, dass eigene Offenheit "die Türen der Herzen der Menschen" öffnen kann. Er habe schon lange einen soziotherapeutischen, aufs Ganze des Patienten gerichteten Ansatz verfolgt, sagt er.

 

Aber erst eine eigene Erkrankung, die Nachdenkzeit dabei und die oft wahrgenommene oberflächliche Beziehungsweise zwischen Menschen (einst der schweigende Kriegsvater, heute womöglich auch die mehr mit dem Smartphone als dem Baby im Kinderwagen beschäftigte Mutter) ließ ihn Notizen und Erlebnisse zu dem Buch zusammenführen.

 

Viele in den 50er Jahren Geborene dürften sich durch Pawlowskis leicht lesbare (auch wenn sich manche Gedanken wiederholen) und zugleich um fachliche Seriosität bemühte Alltagsgeschichten angesprochen fühlen - und auch deren heute betagte Eltern. Noch ist es da und dort nicht zu spät, sich zu öffnen. Der Autor spricht den Leser direkt an.

 

Er will auch Mitarbeiter von Pflegediensten erreichen und nicht zuletzt pflegende Angehörige, denen es durch Unausgesprochenes verkomplizierte Beziehungen noch schwerer machen. Dazu gibt er Tipps, sich über die eigene Lebensgeschichte klarer zu werden: "Unsere Biografie ist eine Art Gebrauchsanleitung für Beziehungen."

 

Eckhard Pawlowski könnte heute übrigens seinem Vater und dessen ideologisch missbrauchter Generation vielleicht verzeihen, die selbst von der "Halt den Mund"-Erziehung geprägt war.

Hätten sie doch nur geredet, reden können. "Wie das Leben wirklich ist, haben wir alle nicht gelernt", zitiert er den Psychologen Lutz Dieter Schwede.

Und Klaus Dörner, dem auch die "überaus farbige und saftige Sprache" dieses Beziehungspflege-Buchs gefällt, stellt fest:

"Es ist nun wirklich aufregend zu sehen, dass Pawlowski zu den ersten Pflegenden gehört, die sich aus der ihnen zugewiesenen Sprachlosigkeit befreien."

 

Eckhard Pawlowski - Beziehungsgeschichten

26Twentysix Verlag 2017. 338 Seiten. 13.99 Euro

ISBN 978-3-7307-1368-3 (www.beziehungsgeschichten.de) Eckhard Pawlowski©

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Da gibt es die Ehefrau, die von ihrem Mann Jahrzehnte lang, mehr oder weniger heimlich, belogen und betrogen wurde… und nun soll sie ihn liebevoll pflegen.

„Gestörte Beziehungen fallen oft erst auf, wenn man sich bei Begegnungen emotional so nahekommt, dass man ausweichen möchte, obwohl man sein Gegenüber mag.“

  • Da gibt es die Ehefrau, die von ihrem Mann Jahrzehnte lang, in jeder Beziehung, mehr oder weniger heimlich, belogen und betrogen wurde… und nun wird von ihr erwartet, dass sie ihn liebevoll pflegt.

Was fühlen diese um ihr Leben betrogenen Ehefrauen heute, wenn sie ihrem Angetrauten bei der Körperpflege wieder so nahe kommen…müssen, wie damals, als er sie noch begehrte. Wo bleibt da die hilflose Wut durch die Missachtung, der sie sich Jahrelang ausgeliefert fühlten.

 

  • Da gibt es die Tochter, die als Kind heimlich von ihrem Vater beim Ausziehen beobachtet und nach dem Baden von ihm immer so „fummelig“ abgetrocknet wurde … Mutter wusste das und hat nichts gesagt.

 

Was fühlen diese „Kinder“ heute, wenn sie ihren alten Eltern bei der Körperpflege wieder so nahe kommen… wie damals, nur umgekehrt?
 
Eltern bleiben immer die Eltern und Kinder immer die Kinder.

 

Durch was auch immer… gestörte Beziehungen können nach Jahrzehnten durch eine schon mal erlebte Situation, einen Geruch oder ein Geräusch aufbrechen und dann entscheiden bisher verdrängte Gefühle darüber, ob und wie fair man einen pflegebedürftigen Menschen versorgen kann.
 
Es gibt ca. 3 Millionen pflegebedürftige Menschen in Deutschland und 2-3-mal so viele Angehörige, die in irgendeiner Form von dem betroffen sind, was ich in meinen „Geschichten“ erzähle.
 
Das, was ich in meinem Buch beschreibe, wird nicht die Situation der Betroffenen ändern, ihnen aber aufzeigen, dass es Millionen anderen auch so geht.

Das kann ebenso entlastend sein, wie die Einsicht, dass ihre heutigen Beziehungsprobleme eventuell mit der Lebensgeschichte der Eltern zu tun haben und es keinen Grund gibt, sich schuldig zu fühlen.
 
Alle Politiker in Europa fordern mehr Ehrlichkeit und Fairness in der Gesellschaft, vielleicht sind meine Zeilen eine kleine Anregung, erstmal in den eigenen Spiegel zu schauen, so wie ich es getan habe.

                                                                                                                            Eckhard Pawlowski©


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Wir ändern uns auch im Alter nicht – Sexualität im Alter

…und Sie meinen immer noch, das hört ab einem „gewissen“ Alter auf?

 

Eine ältere Dame in einem Seniorenheim wirkte auf mich sehr bedrückt und lustlos, obwohl im Haus am Abend ein Tanz in den Mai geplant war.

Als ehemalige Schlachters Frau war sie einige Male in ihrem Heimatort Schützenkönigin geworden und ich dachte, sie würde sich auf die Abwechslung freuen, doch dem war nicht so.

 
Während eines längeren Gesprächs erzählte sie mir ganz leise, grundsätzlich tanze sie gerne und auch die körperliche Nähe eines Partners würde ihr fehlen, ebenso das dazu gehörende Kuscheln, „... aber die hier im Heim suchen doch nur eine, bei der sie nochmal einen „wegstecken“ können.

Mir muss keiner mehr was erzählen, ich kenne die Männer … die meinen immer nur kämpfen zu müssen, um zu beweisen, wer der stärkere ist, und wenn dann mal Gefühle aufkommen, die nichts mit Sex zu tun haben, nutzen sie die restliche Kraft noch dazu, diese zu verdrängen. Am nächsten Tag geht es wieder von vorne los, zu Hause wie auch im Berufsleben, die sind doch alle bekloppt!“

 

Mir blieb erstmal die Sprache weg, und da sie mein innerliches Grinsen wohl irgendwie bemerkte, schmunzelte sie und meinte nur: „Mit Ihnen kann ich doch so reden, oder?“

Das bejahte ich, da mir wieder einmal eine lebenserfahrene und taffe Frau sagte, wo es langgeht und worum es im Leben zu gehen scheint.

 


…Warum lesen wir in den Tageszeitungen darüber hinweg, dass inzwischen schon jede 2. Ehe geschieden wird?
Vielleicht hoffen viele, dass ihre heimlichen Affären und kleinen Abenteuer unentdeckt bleiben, da sie ihren sicheren Ankerplatz im Hafen der Ehe nicht wirklich ganz verlassen wollen.
Wenn der Partner insgeheim genauso denkt und handelt, wäre man natürlich entrüstet und könnte gar nicht verstehen, wie es soweit kommen konnte. Man fiele dann von der schön gedachten Wolke, die inzwischen nicht mehr so rosig aussieht wie noch vor vielen Jahren, als man gemeinsam von der nie enden wollenden Liebe mit traumhaften Sonnenuntergängen geträumt hat.


Zweigleisig fahren, einen Partner fürs Kröpfchen, einen fürs Töpfchen, ohne dass der eine etwas vom anderen weiß und trotzdem die heimliche Not, dass der oder die andere auch so denkt und handelt... – das soll mit dem Eintritt ins Rentenalter vorbei sein?

 

Eine ältere Dame, die noch begeistert an allen Tanz- und sonstigen Veranstaltungen im Seniorenheim teilnahm, sagte mir mal ganz leise:

„Oh ja, an meine Hochzeit erinnere ich mich noch in allen Einzelheiten, das war der schönste Tag in meiner ganzen Ehe.
Liebe macht leider blind, aber nachdem man geheiratet hat, kann man wieder klarsehen. Wäre die Hochzeit morgen, würde ich heute noch weglaufen. Aber erzählen Sie das nicht meinen Kindern, sonst denken die, ich hätte sie nicht lieb.“

 

Wie war das noch mit der Wahrheit? – Richtig, man soll sich nicht erschrecken, wenn man sie findet, obwohl man das Gefühl hat, das trifft immer nur andere.

                                                                                                                                                                                  Eckhard Pawlowski©

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…nachts wach werden und nicht wieder Einschlafen können.

…nachts wach werden und nicht wieder Einschlafen können.

 

Das kenne ich zu genüge, aber ich stelle mir dann immer die Frage:

Mit was halte ich mich wach und warum lasse ich es nicht einfach los oder warum kann ich es nicht loslassen.

Das Nachdenken ist zwar auch nicht sehr schlaffördernd, aber ein Gong, an den ich mich noch am nächsten Tag erinnere.
Dann macht es Sinn, im wachen Zustand mal darüber nachzudenken, womit und warum man sich damit wachhält, denn die Dinge die uns nachts aufs Bett kommen, lassen sich nur tagsüber aufspüren.

 

Es sind oft verdrängte zwischenmenschliche Beziehungsprobleme aus dem Hier und Jetzt, aber auch aus der Vergangenheit, die zusammen mit tausend anderen verdrängten Gefühlen, ungelöst in unserem Kopf dümpeln, aber nie untergehen.

 

Durch einen Trigger am Tag, einen Geruch, ein Geräusch, eine Redewendung oder ein Ärgernis tauchen diese durch Verdrängung unter Verschluss gehaltenen Gefühle wieder auf und erzeugen den Druck, der uns oft unbewusst im Nacken sitzt.

 

Da wir ja alle Weltmeister im Verdrängen sind und nicht mal im Ansatz gelernt haben, auch mit uns selbst ehrlich zu sein, schieben wir unseren Ärger wieder in die Problempresse und verdichten ihn, bis er klein und niedlich ist, damit er wieder ins Depot der ungelösten Alltagsprobleme passt.

 

Da wir durch unsere teilweise sehr verlogene Sozialisation einerseits gelernt haben, das wir nicht Lügen dürfen, andererseits, dass man nicht sagen darf, was man wirklich denkt und fühlt, bringen wir uns selbst immer wieder in die Situation, dass wir viel zu oft JA sagen, obwohl wir NEIN fühlen.

Dieses JA aus Gefälligkeit, rutscht uns viel zu oft raus, weil wir als Kind die Erfahrung gemacht haben, wenn ich NEIN sage bekomme ich Ärger und dann hat mich keiner mehr lieb.

 

  • Und was wollen wir…?
    Wir wollen doch nur, dass uns jemand liebhat und mag!

 

  • Und was kommt dabei raus…?
    Wir lassen uns auf Dinge ein, die wir eigentlich nicht wollen, die uns nicht guttun und die wir so lange durch „Geht schon“…“kein Problem, mache ich…. das kriegen wir hin“… so klein reden, bis sie auch noch im Depot „NICHTNEINGESAGT“ Platz finden.

 

Und da unser Gehirn nachts defragmentiert wird, fragt es auch nachts, was kann in den Papierkorb. Wenn unser Gehirn dann noch zwei vergleichbare Dokumente findet, deren Inhalt zu NEIN gehören, aber von uns mit JA unterschrieben wurden, werden wir wach und suchen grübeln in tausend Gedanken, was uns geweckt hat und erstmal weiter wachhält.

 

Wenn Du nachts mal wieder nicht schlafen kannst, hast Du jetzt was zum Nachdenken.

                                  Eckhard Pawlowski©

 

 

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Die Auslöser für Beziehungsstörungen in Pflegefamilien liegen ganz oft in ihrer eigenen Geschichte miteinander.

Ich werde immer wieder gefragt, warum ich in meinem Buch Beziehungsgeschichten, den Finger immer wieder so tief in die nach außen hin oft nicht sichtbaren Wunden der Tabuthemen von Familiengeschichten lege.

Und warum ich immer bei offensichtlichen Problemen in Pflegebeziehungen nach Konflikten innerhalb der Familien oder des Pflegeteams suche, die oft erst vordergründig verneint und vehement bestritten oder wenn sie auf dem Tisch sind, ganz schnell verharmlost und nach Musikantenstadl Manier schöngeredet werden.

 

Bei meiner gerontopsychiatrischen Pflegeberatung ist mir im Laufe der Zeit aufgefallen, dass vielen Familien ihre, durch was auch immer, gestörten Beziehungen erst dann auffallen, wenn ein durch Krankheit ausgelöster Pflegefall über die Familie herfällt, wie eine Heimsuchung.
 
Durch einen unerwarteten Pflegefall kommt nach einiger Zeit das Ganze Gleichgewicht der Familie ins Wanken, da der bisherige Tagesablauf und Rhythmus von Haushalt und Berufsleben phasenweise total gestört ist oder es so empfunden wird.


Meistens sind es die weiblichen Familienmitglieder, die unter der Belastung zwischen Haushalt, Beruf und häuslicher Pflegesituation, am meisten zu leiden haben.
Erst wenn sie an ihre Grenzen kommen, wird ihnen klar, dass die Aufgaben innerhalb einer Familie immer schon ungerecht verteilt waren und dass ein Pflegefall eigentlich nur der Tropfen war, der das Fass der Frustration durch die ungerechten Rollenverteilungen in der Familie zum Überlaufen brachte.


Da reicht ein nicht gewaschenes Fußballtrikot der männlichen Fraktion im Hause, ein nicht vorbereitetes Abendbrot oder eine Störung beim abendlichen Fernsehkrimi aus, damit der Familienfrieden wegen eine Bitte um Hilfe bei einer Pflegeverrichtung endgültig aus den Fugen gerät.

Eckhard Pawlowski©

 

Falls sich jemand betroffen oder angesprochen fühlt, ich würde mich über Rückmeldungen freuen, gerne auch als persönliche Facebook/Nachricht oder unter

 

https://www.beziehungsgeschichten.de/blog/

 

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„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Das scheint aber nicht für Pflegende und Pflegebedürftige zu gelten.

Es ist eine Schande für alle Menschen, dass viele Pflegende im Laufe der Jahre durch unser Gesundheitssystem in eine Situation gebracht werden, Pflegebedürftige so versorgen zu müssen, wie sie selbst nie behandelt werden möchten.

Und wenn dann noch die Vergütung von Pflegekräften der Maßstab für die Würdigung ihrer schweren Arbeit ist, müssen wir uns alle bezüglich unserer Gesetzgebung und seiner sozialpolitischen Vertreter, die wir gewählt haben, in Grund und Boden schämen.

 

Deshalb macht es mich manchmal richtig wütend, wenn irgendwelche „großkopferten“ Politiker und Lobbyisten, die an sozialpolitischen Richtlinien arbeiten, sich gerne durch das Blitzlichtgewitter der Presse ihren sozial-hysterischen Heiligenschein noch vergrößern lassen, aber nicht mal im Ansatz wissen, wovon sie reden und was Pflegende, egal ob Familienangehörige oder professionelle Pflegekräfte, überhaupt leisten und auszuhalten haben.
 
In Anbetracht dessen, dass Facharbeiter in der Autoindustrie am Band den doppelten bis dreifachen Lohn von Pflegekräften erhalten, muss die Frage erlaubt sein, warum die Produktion von Autos gesellschaftlich einen größeren Stellenwert hat, als die Versorgung von hilfsbedürftigen Menschen und wir alle nicht unserem Bauchgefühl entsprechend dagegen rebellieren.

 

Es heißt zwar im Grundgesetz:

 

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“


Das scheint aber nicht für Pflegende
und Pflegebedürftige zu gelten.

 

Eckhard Pawlowski©

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Depressionen fallen nicht einfach so vom Himmel

Von Ruth Charlotte Cohn, der Begründerin der Themenzentrierten Interaktion, stammt der Satz:  „Sage nie Ja, wenn du Nein meinst.“


Wir machen schon in der Kindheit die Erfahrung, dass wir mehr Zuwendung erhalten, wenn wir Ja sagen, obwohl wir Nein meinen.
Das Nein-Sagen verlernen wir im Laufe des Lebens besonders gegenüber Menschen, die uns ganz wichtig sind.
  
Auch als Erwachsene haben wir unbewusst Angst, dass uns „dann keiner mehr liebhat“ wenn wir Nein sagen.
Die bei vielen Menschen nach Jahrzehnten gerne als Midlife-Crisis belächelte, oft in Depressionen übergehende Nachdenklichkeit bezüglich ihres bisherigen Lebens, wird stark unterschätzt, obwohl sie oft ganz tief aus unserer Seele kommt.


Unverarbeitete Traumata, physischer wie auch psychischer Natur, erlebte Gewalt, Missbrauch im Kindesalter und von den Erwachsenen nicht ernstgenommene Ängste in der Kindheit   können durch einen Geruch, ein Geräusch, Gesehenes oder einem vergleichbaren Ereignis aus der Vergangenheit ein bisher verdrängtes und verschwiegenes Beben in unserer Seele auslösen.
Wie ein terroristischer Schläfer mit einem posthypnotischen Auftrag, der nur auf den Code wartet, um das bisher durch Schweigen gestoppte Beben, in unserem Bewusstsein zu zünden.
Auch die ganz kleinen, durch unseren lebenslangen Selbstbetrug und Alltagsstress verdrängten traumatischen Erlebnisse und Erschütterungen, werden plötzlich freigesetzt und können ganz leise einen Tsunami in uns auslösen, den wir erst wahrnehmen und erleben, wenn er uns überrollt.

 

Unser anerzogenes schlechtes Gewissen, begleitet uns wie ein Marionettenspieler, der durch die Fäden dafür sorgt, dass wir seinen Standpunkt und seine Sichtweise nicht verlassen.

Wir scheinen durch das ewige laute Ja-Sagen, obwohl wir Nein fühlen, den Klang und die Wertigkeit unserer eigenen Stimme beim Nein-Sagen zu vergessen.
Damit vergessen wir uns selbst, unser eigenes Leben und leben gezwungenermaßen das Leben der anderen, aber das begreifen wir erst nach dem Tsunami.

 

Deshalb möchte ich behaupten, dass Depressionen nicht einfach so vom Himmel fallen, sondern der Nachhall schwerwiegender Ereignisse in unserer Lebensgeschichte sind.

Eckhard Pawlowski©

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Lesenswertes aus dem Buch Beziehungsgeschichten

  • Beziehungen sind manchmal wie ein Anker, sie können uns viel Halt geben, hindern uns aber andererseits auch oft am „Auslaufen“, um mal auf „Freie Fahrt“ gehen zu können.

 

  • Wenn wir es nicht schaffen, mit denen darüber zu reden, die unser eigenes Leben in selbst wunderbaren Beziehungen, für uns manchmal viel zu eng werden lassen, sorgen wir selber dafür, dass wir zwangsläufig das Leben der anderen leben müssen. Und dann ganz sicher so, wie wir das als Kind gelernt haben, möglichst ohne Widerspruch, damit immer die anderen zufrieden sind.

 

  • Unbesprochene Beziehungsprobleme der letzten Jahrzehnte zwischen Alt und Jung lassen sich nicht Wegkuscheln und Schönreden.

Eckhard Pawlowski©


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"Erstmal in den eigenen Spiegel schauen"

Das Buch Beziehungsgeschichten spricht Tabuthemen an, über die keiner gerne redet, weil ja nicht sein kann, was nicht sein darf.

 

Es ist ein Buch über die Gefühle in unseren Beziehungen und was die uns oft anerzogene Verlogenheit* mit uns macht, wenn wir es uns selbst nicht erlauben, das auszusprechen, was wir wirklich fühlen.
*Wir haben alle gelernt, was man sagen darf und was nicht. Ebenso haben wir als Kinder gelernt, dass man nicht lügen darf, dann bleibt uns ja nichts Anderes übrig, als über die unangenehmen Dinge des Lebens zu schweigen.

 

Als „Nachkriegskind“ ist mir bei fast allen Familien mit pflegebedürftigen alten Menschen aufgefallen, das nach außen hin die Welt in Ordnung war, aber in Bezug auf die zwischenmenschlichen Gefühle wie Nähe und Wärme haperte es oft an diesen notwendigen Voraussetzungen für eine faire und einfühlsame Versorgung der alten Menschen.

 

Mir sind besonders die durch Krieg und Flucht verstörten Menschen aufgefallen, die durch das Erlebte regelrecht „gestillt“ wurden und auch später gegenüber den eigenen Kindern nicht sehr gesprächig waren.
Die Nachkriegsjahre mit Wiederaufbau und Wirtschaftswunder blendeten die vielen unbewussten Traumatisierungen der NS Zeit aus und scheinen erst im Alter wieder aufzutauchen, wenn die Menschen durch die verlangsamten Lebensumstände körperlich und seelisch zur Ruhe kommen, wogegen die inzwischen auch schon „alt gewordenen Kinder“ sich noch im Alltagsstress des Lebens befinden.


Meistens sind es die Frauen, die sich gezwungenermaßen um die Eltern oder Großeltern kümmern, wenn diese pflegebedürftig werden.
Ohne es zu ahnen, sind sie ganz nah dran… an den noch offenen Rechnungen mit dem Pflegebedürftigen, von denen sie bewusst nicht mal geträumt haben.

 

„Gestörte Beziehungen fallen oft erst auf, wenn man sich bei Begegnungen emotional so nahekommt, dass man ausweichen möchte, obwohl man sein Gegenüber mag.“

 

  • Da gibt es die Ehefrau, die von ihrem Mann Jahrzehnte lang, in jeder Beziehung, mehr oder weniger heimlich, belogen und betrogen wurde… und nun wird von ihr erwartet, dass sie ihn liebevoll pflegt.
     
    • Die Tochter, die als Kind heimlich von ihrem Vater beim Ausziehen beobachtet und nach dem Baden von ihm immer so „fummelig“ abgetrocknet wurde … Mutter wusste das und hat nichts gesagt.   
    Was fühlen diese „Kinder“ heute, wenn sie ihren alten Eltern bei der Körperpflege wieder so nahe kommen… wie damals, nur umgekehrt?

Eltern bleiben immer die Eltern und Kinder immer die Kinder.
Durch was auch immer… gestörte Beziehungen können nach Jahrzehnten durch eine schon mal erlebte Situation, einen Geruch oder ein Geräusch aufbrechen und dann entscheiden bisher verdrängte Gefühle darüber, ob und wie fair man einen pflegebedürftigen Menschen versorgen kann.

 

Es gibt ca. 3 Millionen pflegebedürftige alte Menschen in Deutschland und 2-3-mal so viele Angehörige, die in irgendeiner Form von dem betroffen sind, was ich in meinen „Geschichten“ erzähle.

Das, was ich in meinem Buch beschreibe, wird nicht die Situation der Betroffenen ändern, ihnen aber aufzeigen, dass es Millionen anderen auch so geht.
Das kann ebenso entlastend sein, wie die Einsicht, dass ihre heutigen Beziehungsprobleme eventuell mit der Lebensgeschichte der Eltern zu tun haben und es keinen Grund gibt, sich schuldig zu fühlen.

 

Alle Politiker in Europa fordern mehr Ehrlichkeit und Fairness in der Gesellschaft, vielleicht ist mein Buch eine kleine Anregung, erstmal in den eigenen Spiegel zu schauen, so wie ich es getan habe.

Eckhard Pawlowski©

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Sind Kuckuckskinder zappeliger?

Wenn ein Paar heiratet, das eigentlich nie die Absicht hatte einander zu ehelichen, und dies nur tut, weil ein Baby unterwegs ist, wirkt sich das auf alle Beteiligten aus, in jeder Beziehung.

Freilich spricht man nicht darüber. Auch nicht, ob es vielleicht sogar ein „Kuckuckskind“ ist, das fühlt, dass es im falschen Nest sitzt und sich deshalb unruhig verhält, weil es merkt, dass da irgendwas nicht passt.


Experten gehen davon aus, dass ca. jedes 10. Kind seinen leiblichen Vater nie kennen lernen wird. Ich bin mir ganz sicher, dass die Kinder das unbewusst spüren, fühlen und irgendwie unruhiger, oder eben einfach „schwierig“ sind, weil sie hinterhältig belogen werden, so wie die ganze Familie belogen wird.

 

Dieses Phänomen der millionenfach „Geplatzten“ und „Interruptions-Gestörten“ passt nun mal überhaupt nicht in unsere heile Musikantenstadl-Welt. Ebenso wenig wie die unsichtbaren Kuckucks-Kostüme der „Karnevals-Kinder“, die sich nicht ablegen lassen und ein Leben lang stören, jucken und kratzen, wie ein schlecht gepolstertes Nest, in das man eigentlich nicht hineingehörte.


Wenn eine Beziehung für beide Seiten oder alle Beteiligten auf Dauer angenehm und lebenswert sein soll, gehören ein wenig Fingerspitzenge-fühl und intuitive Wahrnehmung dazu, die sich nicht nur auf die Tastatur des Smartphones beschränken sollte.


Wir sollten es nicht zulassen, dass Kinder durch unsere anerzogene Verlogenheit, die gesellschaftlichen Zwänge, wie alles zu sein hat und unsere Feigheit, zu unseren Fehlern und unserem, oft unbedachten egoistischen Denken und Handeln zu stehen, unnötig leiden und durch die dar-aus entstehenden Kränkungen wirklich krank werden. Wenn die Seelen von Kindern durch zu wenig Nähe und Wärme beziehungslos vereinsamen und wir ihre rebellierenden „ADHS-Hilferufe“ als Störung empfinden, dann haben wir alle versagt und die Pharmaindustrie kann weiter ihre Gewinne optimieren.


Es ist für Erwachsene sehr schwer, diesbezüglich einsichtig zu sein und andererseits die einzige Möglichkeit, unsere Kinder über den Weg der Ehrlichkeit und Fairness davor zu bewahren, ihr weiteres Leben wegen den gesellschaftlichen Zwängen in gestörten Beziehungen leben zu müssen. Beziehungspflege ist nicht immer einfach und kann nur bei beidseitiger ausgewogener Empathie funktionieren. Deshalb muss man manchmal aufpassen, dass man sich nicht zu sehr in die Bedürfnisse und Denkweisen anderer „einpflegt“, die eigenen Ansichten verlorengehen und man von den anderen abhängig wird.

Eckhard Pawlowski©


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Alles wie gehabt

Der zweite Weltkrieg ist nun seit über 70 Jahren beendet,

die damit verbundene gesellschaftliche Verlogenheit auch?


Ich habe den Eindruck, dass er in unseren Köpfen von uns Kriegs- und Nachkriegskindern immer noch, mehr oder weniger unbewusst ganz leise zu toben scheint, da wir uns ebenso, wie die durch Angst und Doppelmoral geprägten Generationen vor uns, verhalten.


Das Mundhalten und bloß nicht ehrlich über das zu reden, was wir wirklich fühlen und denken, scheint mehr oder weniger unbewusst, wie eine unsichtbare Fackel bei einem Staffellauf, von Generation zu Generation stillschweigend weitergereicht zu werden.
Sie wird durch unsere gesellschaftliche Verlogenheit und der daraus resultierenden Angst in Gang gehalten, sich durch zu viel Offenheit den Mund zu verbrennen.
Sie sorgt dafür, das in vielen familiären Beziehungen, ein offenes und vor allen Dingen ehrliches und faires Gespräch darüber, wie unsere Beziehungen miteinander sind und was sie manchmal schwer oder sogar unerträglich machen, unmöglich werden.


Das Bekanntwerden erbrechtlicher Knebelverträge und die daraus resultierenden unerfüllten Hoffnungen einzelner Familienmitglieder sorgen oft schon zu Lebzeiten des Erblassers dafür, dass keiner mehr dem anderen traut und der eine oder die andere sich beim Weihnachtstreffen der Familie heimlich die Tränen verkneifen muss, weil die Lügerei unerträglich ist.


Wie lebenslänglich gebrandmarkte Untergebene, die immer noch viel zu oft JA sagen, obwohl sie NEIN fühlen, rasen wir durch unseren nach wie vor devoten und dem übermäßigen Konsumzwang angepassten Lebensstil, durch unsere von Helene Fischer schöngekuschelte Musikantenstadl-Welt.
Sogar dem Vibrieren unseres Smartphones folgen wir rund um die Uhr, wie mit vor eilendem Gehorsam, indem wir immer erreichbar zu sein scheinen, um ja nicht das zu verpassen, was die persönlich zwischenmenschlichen Beziehungen eigentlich entzweit.
Diese erlernte Sprachlosigkeit, das Verschweigen der Wahrheit, der heimliche Rückzug aus vermeintlich intakten Beziehungen und das Leugnen der Realität, prägt viele Menschen bis heute und macht sie in Bezug auf das, was sie wirklich fühlen, ebenso sprachlos und still, wie damals ihre Väter und Mütter.
Dieses nach außen hin, hilflose Aufrechterhalten einer vermeintlichen intakten und heilen Welt wurde durch den Konsum in den 50/60iger Wirtschaftswunderjahren kaschiert und prägt bis heute das Verhalten aller „Nachkriegskinder“, die nicht gelernt haben, über ihre Gefühle zu reden.
 
Es scheint einfacher zu sein, die eigene Unzufriedenheit kurzfristig über den Weg in ein Schuhgeschäft oder den Kauf eines neuen Smartphones zu verdrängen, als mit dem Partner darüber zu reden, was die Beziehung zurzeit eigentlich belastet oder sogar unerträglich macht.

 Eckhard Pawlowski©


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„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“               Das scheint aber nicht für Pflegende und Pflegebedürftige zu gelten.

Es ist eine Schande für alle Menschen, dass viele Pflegende im Laufe der Jahre durch unser Gesundheitssystem in die Lage gebracht werden, Pflegebedürftige so versorgen zu müssen, wie sie selbst nie behandelt werden möchten.

 

Und wenn dann noch die Vergütung von Pflegekräften der Maßstab für die Würdigung ihrer schweren Arbeit ist, müssen wir uns alle bezüglich unserer Gesetzgebung und seiner sozialpolitischen Vertreter, die wir gewählt haben, in Grund und Boden schämen.

Unsere Politiker und vermeintlichen Volksvertreter wissen nicht mal im Ansatz, was Pflegende, egal ob Familienangehörige oder professionelle Pflegekräfte, überhaupt leisten und auszuhalten haben.

 

In Anbetracht dessen, das Facharbeiter in der Autoindustrie am Band den doppelten bis dreifachen Lohn von Pflegekräften erhalten, muss die Frage erlaubt sein, warum die Produktion von Autos gesellschaftlich einen größeren Stellenwert hat, als die Versorgung von hilfsbedürftigen Menschen.

 

Es heißt zwar im Grundgesetz:

 

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

 

Das scheint aber nicht für Pflegende und Pflegebedürftige zu gelten.

Eckhard Pawlowski©

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Wo bleiben die Gefühle in den Beziehungen, zwischen Pflegenden und Pflegebedürftigen?

Die Gratwanderung zwischen Nähe und Distanz macht es nicht ganz einfach, sich anderen Menschen gegenüber ausgewogen zu verhalten, ohne ihnen durch Distanzlosigkeit zu nahe zu treten und gleichzeitig einen respektvollen, der Beziehung angemessen Abstand, zu halten.
Durch das Zusammen- und Auseinandersetzen mit diesem Thema verspreche ich Ihnen immer wieder neue Erkenntnisse, die nicht nur den Ihnen anvertrauten Menschen zugutekommen, sondern Ihnen auch persönlich in jeder Beziehung helfen können.
Sie werden aber sicher auch schon oft genug erlebt haben, dass Probleme und Schwierigkeiten beim Umgang mit Nähe und Distanz gleichermaßen im beruflichen wie im privaten Bereich auftreten können.

 

Beziehungspflege, also die Pflege von Beziehungen, macht nicht nur im Alltag Sinn, sondern sollte auch die Basis für jede Pflegebeziehung sein, ganz unabhängig vom Alter des Pflegebedürftigen.


"Tiefe Gefühle verunsichern zutiefst, machen Angst... Ursachen sind andauernde Kränkungen, Demütigungen und eine ganze Palette anderer Störungen insbesondere durch unsere direkten Bezugspersonen. Sie versinken im Laufe vieler Jahre irgendwo in unserem Unterbewusstsein und führen dort ein zunehmend eigenständiges Dasein. Die Auswirkungen reichen von Schlafstörungen, Unruhe, körperlichen und psychischen Beschwerden bis hin zur völligen Beziehungsunfähigkeit, über die zahllose Menschen in gefährliche Verzweiflung geraten.“

 

Nicht zuletzt, weil wir selten imstande sind, unsere Grenzen zu schützen, weil wir ja sagen, obwohl wir nein meinen, weil wir uns anpassen, bis wir uns selbst so verloren haben, dass wir uns nicht mehr wiederfinden.


Und dass alles aus dem Bestreben heraus, Konfrontation zu vermeiden, bedingungslose Harmonie und Eins-Sein leben zu wollen, was widernatürlich ist und gar nicht möglich.

Krampfhafte Versuche, die selbstgewählte Rolle immer weiter zu spielen, um die guten Beziehungen durch unterwürfiges Verhalten gegenüber allen Mitmenschen, die uns wichtig erscheinen, nicht zu verlieren, scheitern irgendwann zwangsläufig.


Kein Weg führt daran vorbei, sich selbstkritisch seinen Beziehungen zu stellen, will man gesund, glücklich und zufrieden leben.

 Eckhard Pawlowski©

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Buchveröffentlichung März 2017

Beziehungsgeschichten


Eckhard Pawlowski

Beziehungsgeschichten - Wie das Leben tatsächlich ist, haben wir alle nicht gelernt

26Twentysix Verlag 2017       338 Seiten        13.99 Euro

ISBN 978-3-7307-1368-3

(www.beziehungsgeschichten.de)

 



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